Materialien und Lösungen für das Strandbeest

„Metaller“ trifft auf Holz – das Strandbeest nimmt Form an

Meine Ausbildung habe ich zwar in einer KFZ-Werkstatt gemacht, doch interessiert mich schon in meiner Jugend sehr auch der Werkstoff Holz. Damals habe ich für diverse Patenkinder und Kinder von Freunden Kinderspielzeug gebaut. Also hatte ich wohl auch eine gewisse handwerkliche Eignung für diesen Werkstoff. Schnell war damit klar “das Strandbeest wird aus Holz gebaut!”.

Der Korpus – das Zentrum vom Strandbeest

Für den Korpus, also den Bereich, der die Elektronik, die Batterie, die Motoren und die Hauptaufhängungen für die Beine trug, verwendete ich dünne Holzleisten, die ich zusammenleimte (nicht ohne vorher die Motorhalterungen dafür gebaut zu haben). Die Grundplatte des Korpus besteht aus einer 3mm Hartfaserplatte. Insgesamt wollte ich möglichst überall Gewicht sparen, weil ich mir nicht sicher war, wieviel Kraft die kleinen Motoren entwickeln können. Es stellte sich heraus, dass die kleinen Getriebemotoren unglaublich viel Kraft haben!

Strandbeast Basis

Für die Hauptaufhängungen der Beine (also den Punkten, um denen sich beim Strandbeest jeweils das Bein bewegt) verwendete ich Stäbe aus Edelstahl, die ich am Ende des Projekts dann noch etwas einkürzte.

Vorwärts! Die Strandbeest Beine

Die Beine selbst (also die “Dreiecke“) bestehen aus 6 mm schichtverleimten Holzplatten, die sich sehr leicht sägen und schleifen ließen. Das war auch notwendig, denn die Schleifarbeit nahm einen großen Teil des Projekts ein und ich war froh, mir das Tellerschleifgerät von Proxxon gegönnt zu haben. Mit der Hand wäre das ein stundenlangen Schleif-Massaker geworden.

Die gerade Teile der Beine für das Strandbeest bestehen aus…na ratet mal! Genau..aus Eisstielen! Die Teile sind genau 2mm tief, sodass sie perfekt in mein Konzept passte. Ich hatte geplant, dass die Tiefe des Gesamtbeins inkl. aller Hebel nicht größer als die dickste Stelle des Beinswerden sollte.

Klar sind Eisstiele nicht das stabilste Material der Welt, aber für diese Zwecke eignen sie sich perfekt, da ich das Grundkonstrukt auch auf die Breite dieser Eisstiele ausgelegt hatte. Das erparte mir einige Sägerei und Schleiferei.

Strandbeast Beine

Die Verbindung der einzelnen Strandbeest Teile

Um die Dreiecksteil der Beine mit den Eisstielen zu verbinden war auch wieder einige Testerei angesagt. Zuerst hatte ich den Plan, schlicht jeweils eine Poppniete als Verbindung zu verwenden. Beim ersten Versuch, die Niete mittels Nietzange zu stauchen, sprengte ich natürlich direkt das komplette Holzkonstrukt vom Strandbeest, das für eine solche Belastung nicht ausgelegt war.

Also musste eine neue Idee her. Ich nahm den Kopf der Poppnieten und schob einen kleinen Sprengring drauf – das sollte halten! Als ich alle Beine fertig hatte und sie leicht bewegte, fielen der Reihe nach die Sprengringe wieder herunter, weil sie doch nicht stramm genug auf den Poppnieten saßen.

Noch war ich nicht fertig mit meinen Ideen, die sich weiterhin um Poppnieten tummelten. Da ich alle Bohrungen der Beine von meinem Strandbeast genau auf das Aussenmaß dieser Stifte ausgelegt hatte, wollte ich so schnell nicht aufgeben.

Was, wenn man nur die Aluminiumhülle der Poppniete verwendet und dort mit einer kleinen Schraube (1,5 x 6mm) ein Gewinde reinschnitt? Dann koennte man zusammen mit einer Unterlegscheibe die ganze Konstruktion mittels Inbusschraubendreher sogar richtig fixieren!

Das freute mein Mechanikerherz und sofort machte ich mich an die Arbeit. Und siehe da – Idee 3 war am Ende die perfekte Lösung für mein Problem!

Strandbeast Beine

Die Kurbelwelle

Für die Kurbelwangen verwendete ich im ersten Anlauf Holz. Doch das stellte sich sehr schnell als zu weich und zu ungenau heraus. Das komplette Konstrukt eierte nur sinnlos herum. Schweren Herzens entschied ich mich dann für Aluminium. Ich vermutete zuerst, dass sich die 6 mm starken Platten  ungleich schwerer mit der Dekupiersäge sägen liessen als das bei Holz der Fall war. Zusammen mit den geeigneten Sägeblättern blieb das ganz grosse Grauen jedoch aus. Am Ende war ich sehr froh, mich für diese Variante für das Strandbeast entschieden zu haben.

Um die Achsen mit den Kurbelwangen zu einer Kurbelwelle zu verbinden und sie zu fixieren, verwendete ich Madenschrauben (3 mm). Das hält recht passabel, zumal ich als Zapfen die Reste der gekürzten Motorwellen verwendete. Diese sind auf einer Seite abgeflacht, was sie in Verbindung mit den Madenschrauben am Drehen hindert. Die Achse der Kurbelwelle wird in kleinen Kugellagern (3 x 5 mm) geführt, damit sie leichter läuft.

Strandbeast Kurbelwelle